Referenzen


Oder-Havel-Kanal (Zerpenschleuse)

Die Montage der Bogenbrücke EÜ Zerpenschleuse
über die Havel-Oder-Wasserstraße


Die Niederbarnimer Eisenbahn AG konnte am 25.09.1999 den Streckenabschnitt Klosterfelde-Groß-Schönebeck für die "Heidekrautbahn" wieder in Betrieb nehmen. Wesentlichste Voraussetzung dafür war die Fertigstellung des Ersatzneubaus der Brücke über den Oder-Havel-Kanal bei Zerpenschleuse.

Zur Ausführung kam eine eingleisige Stabbogenbrücke, die die Wasserstraße in 5,5 m Höhe mit einer Stützweite von 65 m überspannt, so daß auch ein späterer Ausbau des Kanals möglich ist. Die Breite des Überbaus einschließlich der beidseitig angeschlossenen Gehwege beträgt 8,26 m, die Konstruktionshöhe in Bogenmitte 13,12 m.

Ungünstige Baugrundverhältnise und Zufahrtswege zur Brückenbaustelle bedingten einen alternativen Vormontageplatz, der erst in 4 km Entfernung auf dem Gelände eines stillgelegten Sägewerkes gefunden wurde. Dieser Umstand wirkte sich auf die gesamte Montage aus, die durch den notwendigen Transport zum Einbauort jedoch auch interessante Aspekte erhielt.

Die Stabbogenbrücke wurde am Ufer des Sägewerkes parallel zum Kanal komplett zusammengebaut. Zur Druckaussteifung der ansonsten nur für Zug ausgelegten Hänger wurden Montagestützen zwischen Versteifungsträger und Bogen eingebaut.


Montagestützen zur Druckaussteifung der Hänger

Durch die verschiedenen Montage- und damit Beanspruchungszustände der Montagestützen kamen Rüststützen RS 30 von Thyssen zum Einsatz, die mittels Stahlplatten am Bogen und Versteifungsträger befestigt wurden. Über ein zwischengeschaltetes hydraulisches Fußstück konnten die Rüststützen mit der erforderlichen Vorspannkraft in Höhe von 30 kN vorgepreßt werden.

Montagehilfsstützen zur Aussteifung der Hänger

Im nächsten Montageschritt mußte die Brücke um fast 90° über den Kanal gedreht und auf Hilfsabstützungen am gegenüberliegendem Ufer abgesetzt werden. Dazu wurde das eine Ende der Brücke auf eine spezielle Drehvorrichtung aus Stahl mit molykote-geschmierter Gleitfläche zur Reduzierung der Reibungskräfte montiert. Die Drehung erfolgte ausschließlich durch den am anderen Ende mittels Zweiergehänge angeschlossenen Schwimmkran.


Drehung der Bogenbrücke mittels Schwimmkran über den Kanal

Um die 300 t schwere Brücke mit nur einem Krandoppelhaken mit Vierergehänge über die 4 km zum Einbauort zu transportieren, waren an genau berechneten Stellen vier über ein Meter hohe Ösen aus 40er Stahlblech an das Deckblech und den Steg des Versteifungsträgers angeschweißt worden.


Öse und Schäkel für 120 t Zugkraft

Die relativ großen Abmessungen der Ösen ergaben sich insbesondere aus geometrischen Zwängen infolge des flachen Winkels und der Obergurtbreite des Versteifungsträgers. Die Anbaufolge und die Abmessungen der Schäkel mußten genau abgestimmt werden, damit die Seilführung "millimetergenau" paßt.

Der Kranhaken des Schwimmkranes wiegt allein 6 t. Einhängen der Seile.

 

300 t Stahl an einem Kranhaken

Das Montagekonzept sah den alleinigen Transport durch den Schwimmkran vor, dessen 40 m langer Ausleger dafür extra abgespannt wurde.
Wegen der am Einschwimmtag zu geringen Wassertiefe, mußte der Schwimmkran stellenweise durch zwei Transportschuten, die unter die Brücke geschoben wurden, entlastet werden.

Dr. Schn. 14.05.2001